1/3 der weltweiten Baumarten vom Aussterben bedroht

24. Mai 2023
Info
FacebookWhatsAppEmail
1/3 der weltweiten Baumarten vom Aussterben bedroht

Laut dem Bericht "State of the World's Trees 2021" sind fast ein Drittel der Baumarten weltweit vom Aussterben bedroht. Der Bericht basiert auf den Arbeiten des Global Tree Assessment (GTA) und zielt darauf ab, die größten Lücken im Schutz von Bäumen zu identifizieren. Es handelt sich um eine der ersten umfassenden Bewertungen bedrohter Baumarten weltweit, koordiniert von der Botanical Gardens Conservation International (BGCI) und Experten der International Union for Conservation of Nature (IUCN). Der Bericht umfasst 58.497 Baumarten auf vier Kontinenten, von denen 17.510 vom Aussterben bedroht sind. Damit ist die Zahl der bedrohten Baumarten doppelt so hoch wie die Zahl bedrohter Säugetiere, Vögel, Amphibien und Reptilien zusammen.

„Vom Aussterben bedroht“, das bedeutet laut der Roten Liste der IUCN, die Bestände dieser (Baum)Arten sind weltweit rückläufig, stark fragmentiert oder ihr Verbreitungsgebiet schrumpft. „Kurz vor dem Aussterben“ dagegen bedeutet, dass es nur noch weniger als 50 Exemplare in freier Wildbahn zu finden gibt. Das trifft auf mehr als 440 der im Bericht erfassten Baumarten zu, zum Beispiel die Mulanje-Zeder in Malawi oder die Menai-Weißbuche in Nordwales.

IUCN - Red List - Categories

Ursachen der Bedrohung Die Hauptgründe für die Bedrohung der Baumarten sind der Verlust von Lebensräumen durch die Nutzbarmachung von Flächen für Landwirtschaft (Anbau von Pflanzenproduktion) und Viehzucht (Ackerbau und Weiden), sowie Holzeinschlag und Raubbau. In den letzten 300 Jahren haben mehr als 40% der 29 untersuchten Länder mehr als 90% ihrer Waldfläche verloren, vor allem durch die Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen oder Plantagen wie Kaffee, Tee, Palmöl, Soja und Gummi.

Aber auch die Verstädterung, der Klimawandel und seine Folgen, Krankheiten und invasive Arten tragen zur Bedrohung vieler Baumarten bei. Der Klimawandel bedroht mehr als 180 Arten unmittelbar, indem er ihren Lebensraum verändert (Umweltbedingungen wie Temperatur, Wetterverhältnisse, Bodenbeschaffenheit, aber auch Meeresspiegelanstieg) und die Gefahr von Naturkatastrophen und Krankheiten erhöht. Die Auswirkungen auf Ökosysteme sind enorm.

Threats to Trees

Die Lage in Indonesien Viele der bedrohten Baumarten sind in den tropischen Regenwäldern und Mooren Südostasiens zu finden. Der Bericht "State of the World's Trees 2021" analysiert auch, welche Länder weitere Maßnahmen zum Schutz bedrohter Bäume benötigen. Indonesien ist hier unter den Top 6 Ländern, da ganze 23% der einheimischen Baumarten bedroht sind - das sind 1306 der 5716 heimischen Arten, darunter Dipterocarps, Zimt, Agarholz und Ramin. Hinzu kommt in Bezug auf die vielen Inseln Indonesiens, dass Inselarten häufig drastischer bedroht sind als andere, da sie oft endemisch (also weltweit nur in einer Region auffindbar) sind und den Folgen des Klimawandels besonders unmittelbar ausgesetzt. Die erhöhte Brandgefahr ist beispielsweise auf Borneo schon deutlich zu spüren.

Threatened Tree Species Richness by Country

Eine der laut BGCI gefährdetsten Baumarten weltweit sind die Flügelfruchtgewächse (Dipterocarpeae), die auf Borneo über einen besonderen Diversitäts- und Vorkommenshotspot verfügen. Die Insel beherbergt 267 Arten dieser Familie, von denen 162 endemisch sind. Davon sind wiederum 99 Arten in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht, also ganze 62%. 18 Arten sind sogar kritisch gefährdet.

A Dipterocarpus tree

Dabei dominieren die Flügelfruchtgewächse die Tieflandebenen der Insel und bieten zahlreichen Pflanzen- und Tierarten, wie den (vor Allem durch ebendiesen Lebensraumverlust) ebenfalls vom Aussterben bedrohten Orang-Utans, einen Lebensraum. Sie prägen das Landschaftsbild des Regenwaldes und tragen wunderschöne gelbe und weiße Blüten. Bedroht werden sie vor allem durch die Umwandlung von Tieflandwäldern in agroindustrielle Palmöl- und Zellstoffplantagen, aber auch durch ihre wirtschaftliche Bedeutung als Exportgut. Im Bericht sind sie ein Beispiel für Arten, die nur und klar durch menschliche Aktivitäten gefährdet werden.

BPI Bjorn Vaughn Ex Mega Rice Mawas-0007-min

Maßnahmen zum Schutz von Baumarten Um die Welt vor dem Aussterben der Baumarten zu bewahren sind Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört die Vergrößerung und Vermehrung von Schutzgebieten weltweit und vor allem dort, wo bereits gefährdete (vor allem endemische) Arten vorkommen. Die gewissenhafte (Wieder-)Aufforstung mit vielfältigen heimischen Baumarten ist ebenfalls entscheidend. Botanische Gärten und Saatgutbanken können eine Aufbewahrungsfunktion für kritisch gefährdete Arten übernehmen.

Für einen sinnvollen Umgang mit der Gefährdungssituation ist es notwendig, gefährdete Baumarten erst einmal zu identifizieren und sie dann gezielt zu schützen, dabei kann die Nutzung des GlobalTree-Portals hilfreich sein – einer übrigens frei zugänglichen und sehr anschaulich gestalteten Online-Datenbank über gefährdete Baumarten und betroffene Länder.

GlobalTreePortal

Bäume sind das Rückgrat des natürlichen Ökosystems. Sie speichern die Hälfte des terrestrischen Kohlenstoffs, bieten Lebensraum und Nahrung für viele andere Arten und ihr Aussterben kann eine regelrechte Kaskade von Artenverlusten auslösen. Es ist für uns von großer Bedeutung, das Bewusstsein für den Schutz von Bäumen zu stärken und Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Zukunft zu sichern. Deswegen schützen wir Walgebiete auf Borneo und forsten zerstörte, ehemalige Torfmoorwälder nachhaltig, vielfältig und mit heimischen Arten wieder auf.

lebenswald.org Mawas Earth

Quellen/Weiterführende Links:

FacebookWhatsAppEmail
Du willst noch mehr wissen? Abonniere unseren Newsletter!