
Die Biodiversität der Erde ist durch uns Menschen stark bedroht. Daher ist die Verhinderung des Verlusts weiterer Arten eine der großen Herausforderungen, welcher wir uns in Zukunft stellen müssen.
Vom 7. bis 19. Dezember 2022 trafen sich die Vertragsparteien des „Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt“ (CBD) in Montreal zu ihrer 15. Sitzung. Diese wird auch als COP15 bezeichnet. Das CBD ist ein internationales Abkommen aus dem Jahr 1992, welches regelt, wie Nationen natürliche Ressourcen nutzen und schützen sollen. Das Abkommen ist von 196 Ländern ratifiziert worden. Obwohl die Vereinigten Staaten nicht auf dieser Liste stehen, werden auch Vertreter*innen der US-Regierung an der COP15 teilnehmen.
Für den Zeitraum von 2011 bis 2020 zeigen Indikatoren, dass der Verlust der biologischen Vielfalt weiter zugenommen hat, obwohl politische Strategien und Maßnahmen zum Schutz dessen verstärkt wurden. Weltweit wurde keines der 20 Aichi-Ziele für die biologische Vielfalt, auf die sich die Vertragsparteien des „Übereinkommens über die biologische Vielfalt“ im Jahr 2010 geeinigt haben, vollständig erreicht. Auf Grundlage der „Roten Liste der bedrohten Arten“ der IUCN lässt sich abschätzen, dass etwa eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind.

Die COP15 ist besonders wichtig, da sich die Staats- und Regierungschefs in einem globalen Rahmen auf Ziele zum Schutz der biologischen Vielfalt einigen müssen. So soll der rasant fortlaufende Verlust der Biodiversität bis 2030 aufgehalten werden.
Die Rettung der biologischen Vielfalt auf der Erde ist ebenso dringend wie die Bestrebungen zur Eindämmung des Klimawandels. Ein Viertel der Pflanzen- und Tierarten ist vom Aussterben bedroht und mehr als die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ist abhängig von der Natur. Das heißt konkret, dass eine intakte Natur essenziell für die Stabilität unsere Wirtschaft ist. Wie die IUCN und verschiedene Fachorganisationen betonen, ist daher ein neuer ehrgeiziger Rahmen erforderlich, um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung und die Vision eines Lebens im Einklang mit der Natur bis 2050 zu erreichen.
Die Wissenschaft zeigt, dass die biologische Vielfalt weltweit in alarmierendem Tempo abnimmt und 30 % der Land-, Binnen- und Meeresgebiete bis 2030 geschützt werden müssten. Um einen dauerhaften Schutz zu gewährleisten, ist es notwendig, diese Gebiete wirksam und unter Einbeziehung aller Beteiligten zu verwalten.
Es wird erwartet, dass sich die Vorschläge, welche auf der COP15 diskutiert werden, auf den Schutz der Biodiversität und die Bekämpfung des Klimawandels beziehen. Wälder, Torfmoore, Mangroven, Korallenriffe und andere Ökosysteme, beherbergen eine Fülle von Lebewesen. Zudem speichern sie auch große Mengen an Kohlenstoff, sodass der Schutz und die Wiederherstellung dieser Ökosysteme von entscheidender Bedeutung sind, um das Klima des Planeten zu stabilisieren.
Im Vorfeld der COP15 fanden mehrere vorbereitende Veranstaltungen statt. Ende November wurde beispielsweise die „Ramsar-Konvention“ über Feuchtgebiete in Genf abgehalten. Auf dieser Konferenz richteten Delegierte aus verschiedenen Ländern eine deutliche Botschaft an diejenigen Länder, welche über den neuen globalen Rahmen für die biologische Vielfalt (GBF) verhandeln. Sie forderten vor allem eine angemessene Anerkennung der Wichtigkeit von Feuchtgebieten in den Zielen und Vorgaben des GBF. Denn Feuchtgebietsökosysteme beherbergen 40 % der gesamten biologischen Vielfalt auf der Erde.
Das Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit (BMZ) hat auf der COP15 angekündigt, dass es sich für den Naturschutz einsetzen wird. Dies beinhaltet auch, Entwicklungsmöglichkeiten für lokale Gemeinschaften zu schaffen. Das BMZ wird zahlreiche konkrete Projekte auf den Weg bringen, welche lokale Entwicklungen mit dem Schutz von Biodiversität und Ökosystemen verbinden. Das BMZ weist auch darauf hin, dass die Beteiligung der lokalen und indigenen Bevölkerung an diesen Projekten entscheidend ist. Das BMZ erklärte ergänzend, dass in den drei größten Tropenwaldregionen der Welt - Amazonien, Zentralafrika und Indonesien - Initiativen zum Schutz der Wälder erforderlich sind.
Nach Angaben von TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) hat Indonesien die zweithöchste Artenvielfalt der Erde. Mehr als 60 % der Arten des indonesischen Regenwaldes sind endemisch. Zudem beherbergt diese Region 10 % der weltweit blühenden Pflanzenarten, von denen mehr als die Hälfte endemisch sind. Des Weiteren finden sich in Indonesien 12 % der weltweit vorkommenden Säugetierarten.
In den tropischen Torfwäldern Indonesiens gibt es eine große biologische Vielfalt, darunter viele vom Aussterben bedrohte Arten. Dazu gehören ikonische Arten wie der Orang-Utan (Pongo pygmaeus), der Tiger (Panthera tigris) oder der Nebelparder (Neofelis diardi). Tropische Torfmoore bieten außerdem wichtige Ökosystemleistungen, wie z. B. die Kohlenstoffbindung und -speicherung, die Bereitstellung von Holz und anderen Produkten aus dem Wald, den Schutz vor Überschwemmungen und Bränden, sowie kulturelles und spirituelles Wohlbefinden.

Die Zerstörung von Torfgebieten durch Entwässerung und Degradation verursacht nicht nur Treibhausgasemissionen, sondern auch zahlreiche ökologische und soziale Probleme, wie den Verlust an biologischer Vielfalt. In Borneo, Zentralkalimantan wurden in den 1990er Jahren große Teile der Torfwälder abgeholzt und entwässert, um im Rahmen des so genannten „Mega-Reis-Projekts“, Reis anzubauen. Dieses Projekt scheiterte und hinterließ tausende von Hektar an zerstörtem Torfmoor. Heute werden Anstrengungen unternommen, diese Flächen wiederherzustellen.
Das Projekt "Lebenswald" arbeitet hart an der Wiederherstellung degradierter Torfmoore. Dafür werden ehemalige Entwässerungskanäle blockiert und mit einheimischen Arten aufgeforstet. Bislang wurden mehr als 128 Hektar degradierter Torfgebiete wiederhergestellt. Dies hat auch zum Entstehen von Sekundärwäldern in der Nähe der Arbeitsgebiete beigetragen. Bei den letzten Patrouillen des Lebenswald-Teams wurden Anzeichen für die Anwesenheit von Orang-Utans und Bären gefunden. Das freut uns sehr, denn unsere Arbeit zeigt, dass Bemühungen zur Wiederherstellung von Mooren Früchte tragen. Ursprünglich dort lebende und bedrohte Arten finden einen neuen Lebensraum. Dies trifft unter anderem auch auf den Orang-Utan zu, welcher der „Roten Liste“ der IUCN zufolge, als vom Aussterben bedroht gilt.