Rudi Hartono und der Kampf gegen Waldbrände - Ein Interview

13. November 2023
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Rudi Hartono und der Kampf gegen Waldbrände - Ein Interview

Wenn der Körper vor lauter Erschöpfung schlapp macht…

Seit Wochen sind die BOS-Mitarbeiter in unserem Renaturierungs- und Aufforstungsgebiet Mawas im Dauereinsatz. Sie kämpfen jeden Tag 24 Stunden gegen die tückischen Brände im zerstörten und trockengelegten Torfmoorgebiet. Täglich hoffen wir auf Regen. Doch trotz erster Schauer, steigt noch immer Rauch aus den Torfböden und die Gefahr ist noch nicht gebannt. Wir haben mit Rudi Hartono, dem Lebenswald-Feldkoordinator gesprochen, der die Aktivitäten zum Feuerschutz leitet.

Gerade kam heraus: Das Jahr 2023 ist sehr wahrscheinlich das wärmste Jahr seit 125.000 Jahren. Die Kombination aus fortschreitendem Klimawandel, extremer Trockenzeit und dem El-Niño-Phänomen führt auf Borneo in diesem Jahr zu heftigen Waldbränden. Seit Wochen sind unsere Mitarbeiter in Mawas im Dauereinsatz. Einer, der täglich an vorderster Front gegen die Flammen und für den Schutz unserer Aufforstungsflächen kämpft, ist Rudi Hartono.

Rudi Hartono Kanal

Pak Hartono, was genau sind Ihre Aufgaben beim Kampf gegen die Brände in Mawas?

Vor allem koordiniere ich die Einsätze unserer Teams. Das heißt, ich sorge dafür, dass die Brandschutzausrüstung, also Pumpen, Schläuche und mobile Wassertanks einsatzbereit sind und dass Boote und Ausrüstung im Notfall repariert werden. Ich kümmere mich um die Logistik und das alle immer gut informiert sind. Dazu gehört auch die Organisation von regelmäßigen Einsatzbesprechungen. Bei Stromausfällen sorge ich für Abhilfe. Außerdem sammle ich alle Daten vor Ort. Und, ganz wichtig, ich sorge dafür, dass immer ein kleines medizinisches Team vor Ort ist.

Mit wie vielen Mitarbeitern stellen Sie sich den Feuern?

Unser BOS-Feuerwehrteam besteht aus allen Lebenswald-Mitarbeitern im Gebiet D1, das zusätzlich von Personal aus den anderen Mawas-Projekten unterstützt wird. Insgesamt sind wir 17 Kollegen.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Brandbekämpfung in den zurückliegenden Wochen?

Die größte Herausforderung bestand darin, das Aufforstungsgebiet über den langen Zeitraum vor der Ausbreitung der Flammen zu schützen und meine Kollegen zu motivieren, die jeden Tag mit großem Einsatz im Feld stehen und Brände löschen.

Karte Brandfläche

Die Karte zeigt einen Teil unserer Aufforstungsflächen in Mawas. Lebenswald befindet sich in D1. Rot sind die Gebiete markiert, in denen es in den vergangenen Wochen zu Bränden kam.

Was sind aus Ihrer Sicht die Ursachen für die Waldbrände?

Vor allem liegt es an der Trockenzeit und der außergewöhnlichen Hitze in diesem Jahr, die durch El Niño verstärkt wurde. Dazu kommen in der Regel unbeabsichtigte Aktivitäten der Menschen, wie das Roden landwirtschaftlicher Flächen, die Herstellung von Holzkohle oder das Trocknen von Fisch.

Wie sind die Arbeitsschichten organisiert bzw. wie viele Stunden ist ein Team im Einsatz?

Die Feuerwehrleute arbeiten im Durchschnitt in jeder dritten Schicht des Tages. Am Nachmittag kümmern wir uns um die Logistik und das Material und ein Küchenteam versorgt uns mit Essen. Während der Nacht wechseln sich die Schichten je nach körperlicher Verfassung ab.

Rudi Hartono (3)

Nach ersten Regenschauern entspannt sich die Situation auf den Brandflächen. Doch noch immer steigt Rauch aus den Moorböden und jederzeit kann sich daraus ein neuer Brand entwickeln

Wie viele Stunden haben Sie letzte Woche geschlafen?

Pro Tag bekomme ich vielleicht ein bis drei Stunden Schlaf, oft auch über den Tag verteilt, z. B. eine Stunde morgens, eine am Nachmittag und eine in der Nacht. Ich bin eigentlich ständig auf der Hut. Und selbst wenn ich schlafen könnte, halten mich oftmals die Sorge um meine Kollegen im Feld und die Gedanken an das Feuer wach.

Sicher auch die Sorge um Ihre Familie?

Natürlich auch. Neben der Verantwortung für meine Arbeit und dieses Projekt, sorgt sich mein Herz auch um meine Familie. Wir alle leiden unter dem Rauch und den Bränden. Und wir alle sind traurig, weil das Feuer und der Rauch eine große Gefahr für die Gesundheit darstellen.

verbrannte Erde

Hatten Sie bei den Löscharbeiten auch richtige Angstmomente?

Oh ja! Auch wenn wir inzwischen viel besser auf die Feuer reagieren können, weil wir besser ausgerüstet und ausgebildet sind, viele Hydranten im Feld gebaut haben, die Kanäle dank der Staudämme mehr Wasser führen, das Moor dank der Dämme stellenweise vernässt wurde – trotz der harten Arbeit in den zurückliegenden Jahren – kommt es immer wieder zu kritischen Situationen. Und dann steht man eben vor den Flammen, aber es gibt gerade keine Wasserquelle. Oder die Ausrüstung geht im falschen Moment kaputt, was bei den extremen Bedingungen ja kein Wunder ist. Und wenn der Körper plötzlich schlapp macht und einem vor lauter Erschöpfung übel wird, dann bekommt man auch einen ziemlichen Schrecken.

Und was sind Ihre alltäglichen Herausforderungen?

Jedem im Team die passende Aufgabe anzuvertrauen. Wir sind ja keine hauptberuflichen Feuerwehrleute. Unser Alltag besteht normalerweise aus Aufforstungs- und Baumpflegearbeiten. So hat jeder Mitarbeiter unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten. Jetzt müssen sie Brände löschen, Essen zubereiten und die Ausrüstung in Schuss halten.
Dazu kommen die extremen Arbeitsbedingungen. Unregelmäßiges Essen und unregelmäßiger Schlaf bringen auch unsere Verdauung durcheinander. Und nach einer harten Schicht zwischen Feuer und Rauch erwartet uns auch keine entspannende Dusche. Denn das Wasser wird zum Löschen benötigt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe auf eine noch intensivere Koordination in der Trockenzeit, um noch effektiver gegen künftige Waldbrände vorgehen zu können und den Lebenswald zu schützen.

Rudi Hartono (4)

Wir danken Rudi Hartono und dem Lebenswald-Team für ihren unermüdlichen Einsatz, ihr Engagement und ihre Opferbereitschaft, um Mawas vor den verheerenden Waldbränden zu schützen. Unsere Gedanken sind bei Euch!

Gemeinsam haben wir schon viel erreichen können. Vielen Dank dafür.

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