Lebensadern oder Narben des Torfmoors - Die Kanäle von Mawas

20. Juni 2024
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Lebensadern oder Narben des Torfmoors - Die Kanäle von Mawas

Auf den ersten Blick scheint es, als hätte sich die Erde aufgetan. Tiefe Risse ziehen sich geradlinig durch den grünen Regenwald von Mawas. Mit jedem Atemzug entweicht mehr Wasser aus dem Wald. Dort, wo kilometerlange Kanäle in die Erde gegraben wurden, findet man größtenteils ausgetrockneten Boden und kahle Flächen. Permanent läuft Wasser über die teilweise flussbreiten Entwässerungskanäle ab.

In den 1990er Jahren startete die indonesische Regierung das sogenannte „Megareisprojekt“. Ziel des Projektes war es, durch die Aushebung von riesigen Kanälen den feuchten Torfmoorwald für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Die Kanäle wurden auch als Transportwege genutzt, um den Wald zu roden und das Holz abzutransportieren. Die Bäume sollten Reisfeldern weichen. Doch Reis wird hier bis heute nicht angebaut. Kan le 1 Das Projekt ist gescheitert. Zurück bleiben karge Mondlandschaften und Kanäle, die auch aus dem benachbarten noch intakten Wald permanent Wasser ableiten. So bleibt der Wasserstand niedrig und das exponierte Torf setzt permanent CO₂ und andere klimaschädigende Treibhausgase frei. Außerdem brennt ausgetrockneter Torfboden sehr schnell und bildet damit ein hohes Sicherheitsrisiko für den verbliebenen Wald sowie für viele bedrohte Tierarten in Mawas. Doch ein Torfbrand ist für uns alle eine Gefahr. Denn im metertiefen Torf lagern Treibhausgase aus Jahrhunderten, die im Falle von Bränden freigesetzt werden.

Dazu verlaufen Torfbrände oft unterirdisch. Das macht sie unheimlich schwer zu löschen.

Der massive Eingriff in das Ökosystem hat so zu einer komplexen Problemlage geführt. Kan le 2 Was können wir tun? Bevor wir in diesem zerstörten Gebiet aufforsten können, müssen Grundlagen geschaffen werden, damit der neu gepflanzte Wald eine Chance hat.

Der Wasserstand muss angehoben werden, damit das ausgetrocknete Gebiet wieder vernässt werden kann. Dafür planen und bauen wir Dämme, die das abfließende Wasser stauen und so den Wasserstand erhöhen. Denn nur so kann der Torfboden stabilisiert werden. Um den früheren Zustand wiederherzustellen, müssen alle Kanäle geschlossen werden, damit sich das zusammenhängende Ökosystem endgültig erholen kann. Mit unseren begrenzten Ressourcen ist das vorerst nicht möglich. Deshalb platzieren wir strategisch Dämme an besonders gefährdeten Standpunkten. So tragen wir durch die Erhöhung des Wasserspiegels zu einer Entlastung des Bodens und damit Verringerung der Brandgefahr bei. Kan le 3 Jeder Anfang ist klein, aber wir haben schon viel erreicht. Unsere bisher errichteten Dämme haben den Wasserstand in unserer Aufforstungsfläche bereits derart erhöht, dass es uns seit einigen Jahren möglich ist, dort Bäume zu pflanzen. Im Jahr 2019 konnten wir durch das gestaute Wasser unsere Aufforstungsfläche vor den umliegenden Bränden schützen. Jeder Damm und jeder Baum helfen den zerstörten Regenwald zum Leben zu erwecken und ihn endlich wieder zu einem Zuhause für Menschen und Tiere zu machen.

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