
Trotz unserer intensiven Befassung mit Feuerschutz im Projektgebiet werden auch Teile des Mawas-Schutzgebietes hin und wieder von Waldbränden erfasst. Keine Überraschung, denn die Anzahl an Naturkatastrophen weltweit ist in den letzten Jahren rapide angestiegen und Mawas stellt nicht nur ein besonders wichtiges, sondern auch besonders sensibles Gebiet dar: Das Gebiet ist entwässert und sehr trocken, durch den Klimawandel steigen Temperatur und Sonneneinstrahlung bei unregelmäßigerem Niederschlag und der durch die vorherige Zerstörung bereits sensible Torf im Boden ist ein besonders brandgefährlicher Faktor in diesem System.

Torf ist ein Bestandteil des Bodens, ein organisches Sediment, welches entsteht, wenn sich nicht oder nur unvollständig zersetzte pflanzliche Substanzen unter bestimmten Bedingungen ansammeln. Oft geschieht dieser Prozess in stehenden seichten Gewässern in flachen Seen oder Senken, die mit der Zeit durch die Anreicherung mit Nährstoffen und Auffüllung mit organischem Material verlanden – es entsteht ein Torfmoor. Dieser Prozess ist allerdings sehr langsam, pro Jahr wächst ein solches Moor um gerade mal rund 1mm. Das bedeutet, für einen Meter Wachstum braucht das Torfmoor unglaubliche 1000 Jahre.

Die Besonderheit eines solchen Torfmoores ist die unglaubliche Menge an Kohlenstoffdioxid, die der Torf umwandelt, in sich bindet und unter den richtigen Bedingungen auf ewig speichern kann – Torfmoore sind riesige Stoffsenken und damit für uns von immenser Bedeutung beim Thema Treibhauseffekt und Klimawandel. Ca. 30% des erdgebundenen Kohlenstoffs weltweit werden von Mooren gespeichert, obwohl diese nur 3% der gesamten Landfläche bedecken.

Den Hobbygärtnern unter Euch wird Torf vielleicht auch als praktischer Erdbestandteil im Blumenbeet bekannte sein, aber halt – von diesem Nutzen ist dringend abzuraten. Denn der Torf in Eurer Erde wird vorher aus seinem natürlichen Vorkommensgebiet abgebaut und das ist ein großes Problem, denn: Seit Jahrhunderten entwässert der Mensch die Moore, nicht nur um den gewonnenen Torf für Gartenbau und Pflanzenzucht zu verwenden, sondern auch, um die erschlossenen Flächen land- oder forstwirtschaftlich zu nutzen. Dadurch sind torfbildende Moore rar geworden, obwohl diese doch nur so langsam nachwachsen. Mit den Mooren verschwinden …
Die Trockengelegten Moore Deutschlands emittieren jährlich mehr Treibhausgase als der gesamte deutsche Flugverkehr. Außerdem ist der Vorrat an Mooren erschöpflich, und machen wir so weiter wie bisher, dann sind wir wahrscheinlich schon in den nächsten 50 Jahren am Endpunkt angekommen. Also: Torf in der Blumenerde kann zwar gute Nährstoffe fürs Pflanzenwachstum bieten, aber an Mitteln zur Bodenverbesserung gibt es auch umweltfreundlichere und sogar effizientere Alternativen, wie zum Beispiel Kompost, Rindenhumus, Holzfasern, Kokosfasern, Chinaschilf- und Hanffasern.
So praktisch das Torfmoor als Kohlenstoffspeicher ist, wenn es intakt ist, so gefährlich ist es, wenn es austrocknet oder vom Menschen trockengelegt und abgebaut wird. Sobald der Torf nicht mehr von Wasser umgeben ist, dringt Sauerstoff Stück für Stück in die obersten Torfschichten ein und verbindet sich dann mit dem eingelagerten Kohlenstoff zum klimaschädlichen Kohlenstoffdioxid, welches dann in die Atmosphäre entweicht. Hierbei werden die riesigen Kohlenstoffspeicher natürlich wieder komplett in die Atmosphäre entleert und die Speicherung wird nutzlos.

Die zweite große Gefahr stellt die leichte Entzündlichkeit von ausgetrocknetem Torf dar, denn: Ausgetrockneter Torf ist hochentzündlich. Einmal entfacht, verbreiten sich so die Brände in Rekordgeschwindigkeit und sind schwer zu löschen, denn der Torf kann sogar unentdeckt unterirdisch weiterbrennen, oder sich sofort wieder entzünden, denn einmal gebrannter Torf ist sogar noch sensibler und ein extremer Brandkatalysator. Besonders hoch ist die Brandgefahr bei hohen Lufttemperaturen, geringer Feuchtigkeit und verstärktem Wind. Und genau die herrschen gerne Mal im Schutzgebiet in Mawas, besonders dort, wo noch wenig wächst und degradierte Böden ohne Bewuchs der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Dann kann es wie im August zum Brand kommen.

Wir kennen die Gefahren in unserem Projektgebiet und sind gut auf Fälle wie diesen vorbereitet. Durch ein ausgeklügeltes Früherkennungs- und Bekämpfungssystem, die richtigen Vorbereitungen von Material und Personal, konnten wir diesen Brand löschen, bevor er zu noch verheerenden Folgen führen konnte: Während einer regelmäßigen Feuerüberwachung aufgrund der aktuell besonders brandanfälligen heißen Trockenzeit entdeckten wir von einem Überwachungsturm aus Rauchschwaden in der Ferne. Mit Booten fuhren geschulte Mitarbeiter den Brand an, um ihn dann mithilfe der Hydranten im Gebiet, einer mobilen Wasserpumpe und zusätzlich dem Kanalwasser zu löschen. Der Brand verbreitete sich schnell, aber unser Team konnte dank sicherem Handeln, verteilter Arbeitsrollen und guter Kommunikation schlimmeres verhindern und den Brand schnell wieder löschen. Verbrannt ist am Ende nur eine Fläche von ca. 300 x 1500m.

Torfmoore bedecken rund 10% der Fläche Indonesiens, typischerweise in tropischen Torfmoorwäldern, welche auf mehrere Meter tiefen Trofflözen wachsen. Insgesamt findet man hier über 22 Millionen Hektar Torfmoor - das entspricht etwa der Größe von Großbritannien. Zwischen 3.000 und 6.000 Tonnen Kohlenstoff werden hier pro Jahr gespeichert, das ist fast das 50-fache eines gleichgroßen Regenwaldgebiets ohne Torfmoorboden (ca. 120-400t/Hektar). Auf Borneo liegt mit ca. 300.000 Hektar einer der größten zusammenhängenden Torfmoorwälder Indonesiens – der Mawaswald, der gleichzeitig die Heimat vieler auch bedrohter Tierarten darstellt, wie zum Beispiel die des Orang-Utans.

Im Rahmen des Mega-Rice-Projekts in den 90er Jahren wurden auf Borneo ca. eine Million Hektar Sumpfland entwässert, wodurch es im Laufe der Jahre immer wieder zu Wald- Und Torfbränden kam: 1997 brannten fast 10 Millionen Hektar Wald in Indonesien, wodurch Teile Südostasiens 10 Monate lang in dunklen rauch gehüllt wurden. Damals wurden laut der Ludwig-Maximilians-Universität München 0,8-2,5 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid nur durchs Torffeuer freigesetzt, das entspricht etwa 13-14% des weltweiten Kohlendioxidausstoßes durch Verbrennung von Erdöl, Kohle und Gas im selben Jahr. 2015 erreichten dann die Emissionen durch Rodungen und weitere Brände einen neuen Höchststand und entsprachen nun schon der Hälfte aller indonesischen Kohlenstoffdioxidemissionen.

In unserem Projekt Lebenswald von BOS kämpfen wir speziell für die Wiedervernässung und Renaturierung des Mawas-Schutzgebietes, bauen Staudämme in die Kanäle und Bepflanzen die zerstörten Flächen. Ein besonderes Augenmerkt liegt bei unserer Arbeit auf Feuerprävention und Schutzmaßnahmen. Dazu gehören Patrouillen und regelmäßige Feuerschutztrainings für das Team, im Gebiet aufgestellte Hydranten und gut gepflegtes Löschmaterial.

Für Artenschutz, Klimaschutz und Naturschutz bleibt uns allen allgemein nur eins übrig: intakte Moore weltweit schützen, weiteren Abbau stoppen und zerstörte Torfmoorflächen renaturieren.