Natürliche Renaturierung und unterstützte Regeneration im Lebenswald

6. Juni 2024
Info
Auf Karte ansehen
FacebookWhatsAppEmail
Natürliche Renaturierung und unterstützte Regeneration im Lebenswald

Unser Ziel im Lebenswald-Projekt ist es stets, die ökologische Wiederherstellung zerstörter Gebiete sowie den Schutz des Torfmoorwaldes voranzutreiben, um Lebensräume zu sichern und das Klima zu schützen. Das neueste Gebiet haben wir mit einer neuen Methode aufgeforstet: die unterstützte natürliche Renaturierung.

Diese Methode zielt darauf ab, die natürliche Regeneration zerstörter Waldflächen zu unterstützen und ist eigentlich eine Kombination aus mehreren Methoden:

  • Zum einen wird das Gebiet genau beobachtet und gepflegt – dazu gehört die allgemeine Wiedervernässung des Gebiets, aber auch die Pflege von bereits selbstständig gewachsenen Pflanzen (z.B. Pionierarten) durch Freischneiden usw.
  • Zum anderen werden Jungpflanzen, die an stark bewachsenen Stellen im Gebiet wachsen, mittels der Methode der Erdballenpresse von dort entnommen und so verteilt wieder eingepflanzt, dass die Fläche insgesamt gleichmäßiger bewachsen ist. Dies hat sich als gesünder für Pflanzen, Erde und somit im Prinzip das ganze Ökosystem herausgestellt. Die einzelnen Pflanzen haben so besseren Zugang zu Nährstoffen, Wasser und Licht und die Erde ist besser geschützt vor Austrocknung oder Erosion. Außerdem kann sich schneller ein großflächiger zusammenhängender Lebensraum entwickeln.

Pflege

Erdtopf

Erdtopf

Die Idee dieser Methode ist es, den Torfmoorwald nur mithilfe von natürlichen lokalen Samen und Setzlingen zu regenerieren. Diese werden dort entnommen, wo sie im Überschuss vorhanden sind. Das ist zum Beispiel so unter unseren sogenannten Vogelpfählen. Das sind von uns errichtete hölzerne kreuzartige Konstruktionen im Gebiet, auf denen sich Vögel niederlassen. So können wir nicht nur die Vögel und die steigende Artenvielfalt im Projektgebiet immer genau beobachten, sondern uns auch die natürliche Samenverteilung und -düngung durch die Verdauung der Vögel zunutze machen: Während die Vögel auf den Vogelpfählen hocken, fallen ihre Ausscheidungen auf den fruchtbaren Boden darunter, aus dem wir später Samen und Setzlinge entnehmen können, um sie an kahlere Stellen zu verpflanzen. Die Pfähle fördern die Anwesenheit von Vögeln im Gebiet. So gehört auch die Errichtung, Pflege und Beobachtung dieser Vogelpfähle zu unserer Arbeit mit der natürlichen Renaturierung.

Vogelpfahl

Vögel auf Pfahl

Setzlinge unter <vogelpfahl

Ein weiterer Aspekt unserer Methode ist die Beachtung der Bodenzusammensetzung. Der Boden – das Torfmoor – spielt eine wichtige Rolle in unserem Projekt und muss daher auch in unseren Aufforstungsmethoden mitgedacht werden. Die Zusammensetzung des Ober-, Mittel- und Unterbodens wird an den jeweiligen Punkten im Projektgebiet untersucht, bevor Setzlinge von Punkten mit hoher Baumdichte an Punkte mit niedriger Baumdichte versetzt werden. Entnahme und Transport erfolgen dann mittels der Methode der Erdballenpresse, die komplett plastikfrei auskommt. Bäume, die gut für diese Methode zur Aufforstung geeignet sind, sind unter anderem Nipa (Cratoxylum arborescens), Tapuhut (Myrtaceae (Syzgium)), Tarantang (Campnosperma Aurculatum), Tatimun (Tetrameristaceae Glabra Miq) und Tumih (Combretocarpus Rotundatus(Miq)).

Setzling einpflanzen

Die unterstütze Renaturierung basiert auf der natürlichen Samenverbreitung und setzt die Nähe von intakten Wäldern voraus. Die Strategie wird bereits seit langer Zeit von indigenen Völkern erfolgreich praktiziert.

Ein Vorteil der Methode ist, dass die Samen aus dem Projektgebiet besser an die Umweltbedingungen angepasst sind und daher die Überlebensrate der Bäume höher ist. Kommen sie aus Vogelexkrementen, sind sie noch robuster und haben einen hohen biologischen Wert. Ein weiterer Vorteil der Methode ist, dass sie deutlich günstiger ist und so mit weniger finanziellem Aufwand größere Gebiete aufgeforstet werden können, da keine Gelder für den Kauf und die Aufzucht von Samen, Transportwege usw. entstehen. Durch die deutlich verkürzten Transportwege werden die Setzlinge auch weniger Stress ausgesetzt, was ihre Überlebenschancen erhöht. Außerdem ist diese Methode der Aufforstung die natürlichste, da der Sekundärwald so dem Primärwald sehr nahekommt.

Setzling

All das trägt dazu bei, dass der Wald sich auf natürliche Weise regeneriert, das Gebiet verjüngt und ein gesundes Ökosystem entsteht. Durch die Kombination von traditionellen Methoden mit innovativen Ansätzen wird der Lebenswald bald wieder in voller Blüte strahlen und als Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten dienen.

Aufforstungsfläche

FacebookWhatsAppEmail
Du willst noch mehr wissen? Abonniere unseren Newsletter!